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Klick für klick zum Untergang

Flugzeuge fliegen nicht und Autos fahren nicht mehr. Die Produktion ist in vielen Fabriken stark eingeschränkt. Könnte alles super aussehen für die CO2-Bilanz in der Coronakrise, würdest du nicht so viele Videos schauen. Würdest du nicht zu diesem Konsum, der mehr Treibhausgase verursacht, als Flugzeuge es tun, sogar beinahe doppelt so viel, beitragen. Eine Erklärung.

Wahrscheinlich hatten wir Schüler*innen seit unserem Kindergarten-Besuch nicht mehr so viel Freizeit wie in den letzten Monaten. Ein klarer Vorteil dieser Mengen an Zeit ist, dass man plötzlich Dinge machen kann, für die man sonst nie Zeit gefunden hätte. So haben sich doch die einen oder anderen darüber gefreut, endlich all ihre angefangenen Serien fertig schauen zu können. Wenn die Serien dann fertig geschaut sind, werden Youtubevideos geguckt und Musik gehört, um die Langeweile zu überbrücken.

All das macht sich bemerkbar: Der Datenverkehr war in Deutschland noch nie so hoch wie in den letzten Monaten und ist im Durchschnitt sogar noch um weitere zehn Prozent gestiegen.

Das Problem damit? Obwohl es nicht so scheint, obwohl es doch eigentlich besonders umweltfreundlich sein müsste, da nichts Materielles verbraucht wird, ist Streaming enorm klimaschädlich.

Streaming – so nennt man Datenübertragungsverfahren, bei denen die Daten schon während der Übertragung angeschaut beziehungsweise angehört werden können. Streaming-Plattformen sind unter anderem Netflix, Amazon Prime, Youtube und Spotify.

Eine halbe Stunde Streaming verbraucht etwa 1,6 Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Das entspräche einer Autofahrt von ungefähr sechs Kilometern. Somit waren die Kohlenstoffdioxidemissionen des weltweiten Streamings im vergangenen Jahr genauso hoch wie der Treibhausgasaustoß Spaniens. Diese Zahl beruht vor allem auf dem hohen Energieverbrauch, sowohl dem des Handys, das für Streaming bis zu 1500 Mal mehr Energie verbraucht als sonst, als auch auf dem Stromverbrauch der Anbieter, die ihren Strom meist aus nicht umweltfreundlichen Quellen beziehen.

Eine weitere Ursache für die gewaltige Klimaschädlichkeit stellt die jährlich wachsende Smartphone- Anzahl um elf Prozent und deren immer energieaufwendigere Features (also besondere Funktionen) dar. Zudem ist auch die steigende Verbreitung digital vernetzter Peripheriegeräte in der Freizeit und im Haushalt, wie zum Beispiel Fitness-Armbänder oder komplexe Überwachungsgeräte eine Ursache.

Schau jetzt also nur noch die Videos und hör dir nur noch die Lieder an, die dich wirklich glücklich machen, die dein Leben bereichern können. Streame nicht nur Video um Video, Lied für Lied um lediglich die elende Langeweile zu vertreiben. Führ dir jedes Mal vor Augen, wie viel ein einziger Klick zerstören kann. Schalte also am besten Handy, Computer und Tablet für eine Weile ganz aus und widme dich anderem. Zum Beispiel unseren fabelhaften Ideen gegen Corona-Langeweile in den Sommerferien.

Siri Ratjen

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