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Die einzige Lösung: Über die Notwendigkeit der Klimaangst

Es ist Freitag. Eigentlich sollten wir jetzt in der Schule sein, doch wir stehen im Regen. Es ist kalt. Wir zittern. Doch wir haben nicht vor, zu gehen. Es ist egal, ob wir uns erkälten. Es geht um etwas Wichtigeres. Es geht um unsere Zukunft. Vorne spricht einer der Aktivisten in ein Mikro. Um uns herum ein Pulk Menschen, hauptsächlich Schüler*Innen. Ihre Gesichter sind entschlossen, manche wütend. Sie schwenken selbstgemachte Plakate, Regentropfen verwischen manche Aufschriften. Ein Chor aus Stimmen hallt über den Marktplatz.  Wir haben uns entschieden, es zu akzeptieren; zu handeln, statt zu verleugnen. Denn wir alle, die wir hier stehen, haben Klimaangst.

Jeder hat vor irgendetwas Angst.

Sei es vor Insekten, der Dunkelheit oder der Höhe. Es ist in Ordnung, Angst zu haben, das ist normal. Was nicht normal ist, ist sich vor der Zukunft, die durch den Klimawandel gefährdet ist, ängstigen zu müssen. Doch trotzdem geraten immer mehr, gerade junge Menschen, im Hinblick auf das, was kommt, in Panik. Manche Menschen leiden an der Klimaangst.  Doch was ist das überhaupt? Auch wenn sie offiziell noch nicht als solche gilt, handelt es sich bei der Klimaangst scheinbar um eine Krankheit.

Bei der Klimaangst werden all unsere schlimmsten Gefühle vermischt. Kein Wunder, wir bangen ja auch um unsere Existenz, wir sorgen uns, dass der Klimawandel das Leben, wie wir es kennen, einschränken und bedrohen wird. Und so wird es auch kommen, wenn wir weiter untätig dem Untergang entgegenleben. Kein Wunder, dass uns diese Untätigkeit wütend, hoffnungslos und verzweifelt stimmt. Kein Wunder, dass wir abends im Bett liegen und nicht schlafen können, weil uns böse Gedanken von sterbenden Koalababys plagen. Wir schämen uns für unser Verhalten, dafür, dass wir einmal am Kiosk eine Plastikflasche kaufen.Diese Gefühle sind gefährlich - und doch gut und richtig. Solange sie nicht zu stark werden, solange wir nicht von allem Logischen abdriften, es schlimmer machen, als es ist, uns verrückt machen. Solange die Angst nicht zur Krankheit wird. Denn wenn die Angst alltäglich und für mehr als drei Monate auftritt und Krankheitssymptome wie dauerhafte Anspannung, Zittern, Unruhe, Panikattacken oder gar Depressionen auslöst, wird die einfache Klimaangst zur kritischen Klimaangst. Doch die einfache Klimaangst ist wichtig. Es ist gut, sich zu ängstigen, es gibt einen nur zu reellen Grund. Wir sollten uns nicht ängstigen müssen, wir sollten nicht in dieser Situation sein.Doch das sind wir. Wir müssen uns eingestehen, wie schlimm es um unseren Planeten steht. Und nur wer Panik hat, begreift dies.

Vibeke Ratjen

Teste dich selbst

Habe ich Klimaangst?
  1. Wie oft hast du negative Gedanken wegen des Klimawandels?

O selten/nie

O ein paarmal pro Monat

O ein paarmal pro Woche

  1. Hattest du schon einmal richtige Panik wegen des Klimawandels?

O Ja           O Nein  

  1. Wie fühlst du dich, wenn andere klimaschädlich handeln,  z.B. in den Urlaub mit dem Flugzeug fliegen?

 O Das ist mir egal.

 O Ich bin genervt und enttäuscht.

 O Ich bin sehr wütend und frustriert.

  1. Glaubst du der Klimawandel ist noch zu stoppen?

O Ja, es wird schon gutgehen.

O Ja, vielleicht, aber wir müssen jetzt etwas tun.

O Nein, der Klimawandel ist unaufhaltbar.

  1. Versuchst du andere vom Klimawandel zu überzeugen/ aufzuklären?

O Nein, gar nicht.

O Ab und zu, aber nur in Extremfällen.

O Regelmäßig, ich scheue dabei keine Kritik oder Konflikt.

 

Auswertung
  1. Überwiegend oberste/erste Antwort:

Du hast wohl eher keine Klimaangst. Du bist einfach sehr optimistisch oder hast vielleicht die Lage noch nicht so ganz erfasst.

  1. Überwiegend mittlere/zweite Antwort:

Du hast schon manchmal Klimaangst, allerdings in einem gesunden Maße. Du hast verstanden, worum es geht und bist bereit zu handeln.

  1. Überwiegend unterste/dritte Antwort:

Du leidest (stark) an der Klimaangst. Du solltest Acht geben, dass sie nicht zu stark wird.

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